Wie erstelle ich einen Preisspiegel?
Ein Preisspiegel stellt alle Angebote einer Ausschreibung Position für Position nebeneinander: Jede Zeile ist eine Position, jede Spalte ein Bieter, unten stehen die Endsummen. Am schnellsten entsteht er aus den eingereichten Datenträgern — dann tippt niemand eine Zahl ab. Aussagekräftig wird er mit der eigenen Kostenschätzung als Maßstab und markierten Ausreißern, die eine vertiefte Preisprüfung verdienen.
Schritt für Schritt
- Angebote einlesen. Nach Ablauf der Angebotsfrist und der protokollierten Öffnung die eingereichten Angebote übernehmen — als Datenträger ohne Abtippen.
- Preisspiegel öffnen. Jede Zeile ist eine Position, jede Spalte ein Bieter. Der günstigste Preis je Position ist hervorgehoben, unten stehen die Endsummen.
- Endsummen und Abweichungen lesen. Je Bieter die Endsumme und die Abweichung zur eigenen Kostenschätzung ansehen. Ein Angebot, das mindestens 25 Prozent unter dem Median der übrigen liegt, ist zur Prüfung markiert.
- Auffälligkeiten nachgehen. Ein auffällig niedriger Preis ist kein Ausschlussgrund, sondern ein Anlass zur vertieften Preisprüfung — die Kalkulation der betreffenden Positionen anfragen.
- ABC-Analyse ansehen. Wenige Positionen machen fast immer den Großteil der Summe aus. Dort lohnt das genaue Hinschauen.
- Bestbieter ermitteln. Entscheidet nicht allein der Preis, Zuschlagskriterien mit Gewichten festlegen und die Angebote je Kriterium bewerten. Der Bieter mit der höchsten Punktzahl ist der Bestbieter.
Wozu der Preisspiegel dient
Die Herausforderung beim Vergleich ist nicht die Summe, sondern das, was darunter liegt: Zwei Angebote mit ähnlicher Endsumme können an ganz anderen Stellen günstig oder teuer sein. Der Preisspiegel zeigt das zeilenweise — und er ist die Grundlage für eine Entscheidung, die sich im Vergabevermerk auch später noch nachvollziehen lässt.
Was BauNormal dabei übernimmt
- Alle Angebote in einer Tabelle, samt der eigenen Kostenschätzung als Vergleichsmaßstab.
- Ausreißer nach oben und unten, fehlende Preise und Mischkalkulation werden markiert statt gesucht.
- Wahl- und Eventualpositionen zählen nicht in die Summe — so, wie es die Norm verlangt.
- Angaben aus Bieterlücken stehen nebeneinander und können als Zuschlagskriterium in die Bestbieterermittlung eingehen.
Was bleibt bei Ihnen
- Die Bewertung nimmt Ihnen niemand ab: Der Preisspiegel zeigt, wo genauer hinzusehen ist — ob ein Preis plausibel ist, beurteilen Sie.
- Mindestens zwei Angebote braucht es für einen Vergleich; bei nur einem Angebot ist die Preisprüfung umso wichtiger.
Weiterlesen
- Anleitung: Angebote vergleichen und Bestbieter ermitteln
- Anleitung: Schätzpreise und Kostenrahmen
- Wie erstelle ich ein LV nach ÖNORM A 2063?
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