Grundlagen

Neu im Ausschreiben — was ein normkonformes LV ausmacht

Leistungsverzeichnis, Katalog, Gliederung, Positionsarten, Lücken und Datenträger — die Grundbegriffe der ÖNORM A 2063 an einem Stück.

Wer zum ersten Mal ausschreibt, stolpert nicht über die Technik, sondern über die Begriffe: LB, LV, Grundtext, Z-Position, Bieterlücke. Dieser Artikel erklärt sie an einem Stück und sagt, was „normkonform" praktisch bedeutet — nämlich, dass Ihre Datei beim Bieter ohne Abtippen aufgeht. Den Katalog, die Nummerierung und die Schemaprüfung übernimmt dabei BauNormal: Sie wählen Leistungen aus und tragen Mengen ein, der A-2063-Datenträger entsteht daraus von selbst.

Was Sie danach haben

Die Begriffe, mit denen in einer Ausschreibung gearbeitet wird, und ein Verständnis davon, was „normkonform" bedeutet — nämlich nicht „schön formuliert", sondern: Ihr Leistungsverzeichnis lässt sich als Datei an einen Bieter geben, seine Software liest sie ohne Abtippen ein, und was zurückkommt, passt Position für Position zu dem, was Sie ausgeschrieben haben.

Dieser Artikel erklärt die Sache. Die Klicks stehen in Ausschreibung anlegen — lesen Sie besser diesen hier zuerst.

Liste der Ausschreibungen mit Status, Abgabefrist und Anzahl der Angebote
Alle Ausschreibungen auf einen Blick — Status und Frist stehen in der Zeile.

Was BauNormal dabei abnimmt

  • Die Positionstexte kommen aus dem Leistungsbuch (LB-HB, LB-HT, Landeskataloge). Sie formulieren nichts selbst und pflegen keine Nummernsystematik.
  • Geänderte Katalogtexte werden automatisch zur Z-Position. Die Katalognummer bleibt damit das, was sie ist — genau so will es die Norm.
  • Der Assistent prüft vor der Freigabe: Katalog, Leistungen, Titelblatt, Mengen. Ein rotes Kreuz hält auf, ein gelbes Rufzeichen weist hin.
  • Der Export wird gegen das Schema geprüft (Ausgabe 2021 oder 2015), auf Wunsch strikt: dann entsteht lieber keine Datei als eine, die beim Bieter nicht aufgeht.
  • Die Freigabe friert den Stand ein. Jede spätere Änderung läuft als Revision mit Grund — Ihr Nachweis, worauf geboten wurde.

Voraussetzungen

  • Ein Projekt, in dem die Ausschreibung hängt (unter Projekte anlegen).
  • Ein aktiver Katalog. Ohne ihn gibt es keine Positionstexte.

Warum es überhaupt eine Norm gibt

Ein Leistungsverzeichnis wandert zwischen Programmen: Sie schreiben aus, fünf Bieter rechnen in fünf verschiedenen Anwendungen, einer bekommt den Zuschlag, seine Abrechnung landet wieder bei Ihnen. Ohne gemeinsames Format wird an jeder dieser Übergaben abgetippt — und jede Abtipperei ist eine mögliche Mengenänderung, die niemand bemerkt.

Die ÖNORM A 2063 ist dieses Format. Sie regelt den Datenträger, nicht Ihren Text: welche Felder es gibt, wie Positionen nummeriert sind, wie Preisanteile aufgeteilt werden, welche Dateiart wofür gilt. Ihre Nachbarn kennen Sie ebenfalls: B 2061 ist die Preisermittlung des Bieters (die K-Blätter), B 2110 das Vertragsrecht am Bau, A 2050 das Vergabeverfahren, B 2111 die Preisgleitung.

Die Dateiarten der A 2063, die in der Praxis vorkommen:

KürzelWas drinstehtWer sie erzeugt
ONLBLeistungsbeschreibung — der Katalog mit den StandardtextenHerausgeber (z. B. BMWA, Land)
ONLVLeistungsverzeichnis — Ausschreibungs-, Angebots-, Vertrags-LVAuftraggeber bzw. Bieter
ONAB/ONAUAngebot als DatenträgerBieter
ONRERechnung samt AufmaßAuftragnehmer
ONBGSGliederungssysteme, Bauproduktlisten, ParameterlistenAustrian Standards, Herausgeber

Der Katalog: Sie schreiben keine Texte, Sie wählen sie aus

Eine Leistungsbeschreibung (LB) ist ein Katalog fertiger, standardisierter Positionstexte mit Nummern — für Hochbau die LB-HB, für Haustechnik die LB-HT, dazu die Kataloge der Länder und Ergänzungs-LBs. Wer daraus auswählt, bekommt drei Dinge geschenkt: einen Text, den beide Seiten gleich verstehen, eine Einheit, über die nicht gestritten wird, und eine Nummer, unter der der Bieter dieselbe Position in seinem eigenen System wiederfindet.

Nehmen Sie die Katalogversion, auf die sich Ihr Vertrag beruft, nicht automatisch die neueste. Positionsnummern wandern zwischen Versionen; im Streitfall zählt die vereinbarte Fassung.

Ergänzungs-LBs bringen Texte, die die Grundlage nicht hat — etwa die ökologischen Kriterien (OEKO) zur LB-HB. Ist für Ihre Grundlage eine eingespielt, wählen Sie sie im Assistenten gleich unter der Katalog-Grundlage. Ihre Texte erscheinen dann im Positionsbaum an ihrer Stelle, mit „+" markiert, und Sie wählen sie aus wie jede andere Position. Im Datenträger stehen sie mit dem Kennzeichen „+", und der Kopf nennt die Ergänzung, sodass der Bieter weiß, woher der Text stammt. Je Ausschreibung gilt eine Ergänzung.

Wie ein LV gegliedert ist

Die Nummer einer Position ist keine laufende Zählung, sondern eine Adresse:

NummerEbeneBeispiel
01LeistungsgruppeBaustellengemeinkosten
01.12UntergruppeBaustelleneinrichtung
01.12.01GrundtextContainer aufstellen
01.12.01AFolgetext (Variante)… Ausführung Bürocontainer
01.12.01ZZ-Positionfrei formulierter Text
01.12.01A1Mehrfachverwendungdieselbe Leistung ein zweites Mal
  • Leistungsgruppe / Untergruppe ordnen fachlich. Sie tragen eigene Köpfe und Vorbemerkungen — Text, der für alles darunter gilt und nicht in jeder Position wiederholt werden muss.
  • Grundtext und Folgetext gehören zusammen: Der Grundtext beschreibt die Leistung, der Folgetext die Variante. Bepreist wird der Folgetext.
  • Z-Position heißt: frei formuliert, ohne Katalogvorlage. Sobald Sie einen Katalogtext ändern, entsteht nach der Norm ebenfalls eine Z-Position — die Katalognummer darf nicht für einen anderen Text stehen. Die Anwendung macht das automatisch und lässt die Katalogposition unverändert bestehen.
  • Mehrfachverwendung ist dieselbe Katalogposition ein weiteres Mal, mit eigener Menge — etwa dieselbe Leistung getrennt nach Bauteil. Zulässig ist genau ein Zeichen (Ausgabe 2015 nur 1–9, ab 2021 auch A–Z).

Positionsarten: was in die Summe zählt und was nicht

  • Normalposition — der Regelfall, zählt mit Menge × Einheitspreis in die Angebotssumme.
  • Wahlposition (W) — eine von mehreren Ausführungsvarianten. Wird bepreist, zählt nicht in die Summe.
  • Eventualposition (E) — eine Leistung, die möglicherweise beauftragt wird. Wird bepreist, zählt nicht in die Summe.
  • Wesentliche Position — Kennzeichnung für die vertiefte Angebotsprüfung.
  • Wertungsposition — eine Position, deren Angabe in die Zuschlagskriterien einfließt. Sie ist gesetzt, sobald der Langtext eine benannte Bieterlücke enthält.

Eine Normalposition mit Menge 0 ist fast immer ein Fehler: Der Bieter trägt einen Preis ein, der in keine Summe fließt, und die Leistung taucht später als Nachtrag zu unverhandelten Preisen wieder auf. Ein Banner über der Positionsliste zählt solche Fälle — es hält die Freigabe nicht auf, weil es legitime Ausnahmen gibt, aber jede einzelne sollte eine Entscheidung sein.

Lücken: die Stellen, die jemand anderer ausfüllt

Eine benannte Lücke ist eine Leerstelle im Langtext mit einem Namen. Vier Arten gibt es:

  • Ausschreiberlücke — Sie füllen sie selbst aus (Ort, Bauteil, Termin).
  • Bieterlücke — der Bieter muss sie ausfüllen (Fabrikat, Typ, Leistung).
  • Bieterlücke (optional) — er kann.
  • Rechenwert — ein Wert für Berechnungen.

Jede Lücke hat eine Kennung (ein Variablenname: Buchstaben, Ziffern, Unterstrich, höchstens 30 Zeichen, kein Ziffernanfang) und einen Datentyp (Text, Zahl, Ja/Nein, Datum). Beides ist kein Formalismus: Nur eine Lücke mit Kennung lässt sich später als Zuschlagskriterium auslesen, und nur eine Zahl lässt sich rechnen. Wo Sie es genauer wollen — mit Auswahlliste, Einheit, Grenzwerten —, kommen Parameterlisten ins Spiel.

Wie viele Lücken sinnvoll sind und wo sie schaden, steht in Bieterlücken richtig setzen.

Schritt für Schritt

  1. Projekt öffnen und neue Ausschreibung starten (Neue Ausschreibung). Der Name sollte für einen Fremden verständlich sein: „Heizung/Sanitär Haus B", nicht „AS-2026-04".
  2. Katalog und Version wählen. Danach die Leistungsgruppen aktivieren, die Sie brauchen.
  3. Positionen auswählen und Mengen eintragen. Nur Mengen, keine Preise — der Preis ist die Antwort des Bieters. Eine unbekannte Menge wird geschätzt und im Langtext als geschätzt benannt, nicht auf null gesetzt.
  4. Langtexte anpassen, wo nötig, und Lücken setzen. Jede Änderung am Katalogtext erzeugt eine Z-Kopie — das ist gewollt und normkonform.
  5. Verfahren festlegen, wenn es ein geführtes ist: Regime (A 2050 oder BVergG), Verfahrensart, Bindefrist, Angebotsfrist und Öffnungstermin, geschätzter Auftragswert. Der Wert entscheidet über Ober- oder Unterschwellenbereich und damit über Bekanntmachungspflicht und Fristen.
  6. Prüfen. Der letzte Schritt des Assistenten prüft Katalog, Leistungen, Titelblatt und Mengen. Ein rotes Kreuz hält auf, ein gelbes Rufzeichen ist ein Hinweis.
  7. Freigeben. Erst die Freigabe macht aus dem Entwurf eine versandfähige Fassung. Der Stand ist danach eingefroren; jede Änderung erzeugt eine neue Revision mit Grund und Quellverweis. Ein Bieter muss sich darauf verlassen können, worauf er geboten hat.

Woran man erkennt, dass es normkonform ist

Nicht am Gefühl, sondern an vier Dingen:

  • Der Datenträger lässt sich ausgeben und gegen das Schema prüfen. Beim ÖNORM-LV-Export können Sie die strikte Schemaprüfung erzwingen: Lässt sich die Datei nicht prüfen, entsteht sie erst gar nicht — besser als eine Datei, die beim Bieter nicht aufgeht.
  • Die gewählte Ausgabe passt. 2021 und 2015 unterscheiden sich nicht nur im Namen der Elemente; ein Datum als Parameterwert etwa gibt es erst ab 2021. Die Anwendung meldet, was in der gewählten Ausgabe nicht darstellbar ist, statt still etwas anderes zu schreiben.
  • Jede Position hat Einheit, Menge und einen Text, der zur Nummer gehört. Geänderte Texte tragen das Kennzeichen „Z".
  • Die Summen stimmen mit den Kennzeichen überein. Wahl- und Eventualpositionen stehen nicht in der Angebotssumme.

Wer eine fremde Datei prüfen will, ohne sie zu importieren, kann das mit dem ÖNORM-Prüfer auf baunormal.at tun — er sagt Ausgabe, Dateiart und Schemabefunde.

Häufige Fehler

  • Die neueste Katalogversion statt der vereinbarten.
  • Zu viele Bieterlücken. Jede ist Arbeit für den Bieter und ein Risiko für die Vergleichbarkeit.
  • Angebotsfrist und Öffnungstermin, die auseinanderlaufen. Der Termin muss auf oder nach der Frist liegen.
  • Freigabe vergessen. Ein Entwurf lässt sich versenden, aber nicht sauber vergleichen.
  • Nachträglich am freigegebenen Stand ändern wollen. Das geht nur als neue Revision, mit Grund — und der Grund landet in der Benachrichtigung an die Bieter. Das ist kein Schikane-Feld, sondern Ihr eigener Nachweis.

Was danach sinnvoll ist

Der praktische Durchlauf: Ausschreibung anlegen. Danach Bieterlücken richtig setzen und Schätzpreise und Kostenrahmen.

Diese Schritte gehen in BauNormal — 30 Tage kostenlos, ohne Zahlungsdaten, endet automatisch.

Kostenlos testen
Robert Beisteiner
Robert Beisteiner, BauNormal

Zuletzt geprüft am

Diese Anleitung wird mit der Anwendung gepflegt. Fehlt etwas oder stimmt ein Schritt nicht mehr mit dem überein, was Sie am Bildschirm sehen, schreiben Sie uns bitte an info@baunormal.at — wir antworten schnellstmöglich.

Weitere Anleitungen

Wenn Sie neu sind
Wenn Sie ausschreiben
Wenn Sie anbieten
Für beide Seiten