Für Auftraggeber

Parameterlisten und Kennwerte — strukturierte Angaben statt Prosa

Was eine Parameterliste nach ÖNORM A 2063 ist, wie sie in eine Lücke kommt und warum eine Auswahlliste den Angebotsvergleich rettet.

Sobald an einer Position mehr steht als ein Preis — Feuerwiderstand, Dämmstärke, U-Wert —, braucht es ein Wörterbuch, damit alle dasselbe meinen. Genau das ist eine Parameterliste nach ÖNORM A 2063: sie legt fest, welche Angaben es gibt und von welchem Typ sie sind. BauNormal liest fertige Listen aus den Dateien von Austrian Standards ein — etwa die ASI-Türliste mit 69 Merkmalen —, sodass Sie Merkmale auswählen, statt sie zu erfinden.

Was Sie danach haben

Angaben an Ihren Positionen, die man auswerten kann: eine Türliste, in der „Feuerwiderstand" überall EI2 30-C heißt und nicht einmal „EI30", einmal „T30" und einmal „brandhemmend, siehe Beiblatt". Und Zahlen, die der Datenträger als Zahlen führt — mit Einheit, Nachkommastellen und Grenzwerten — statt als Text, den jeder anders schreibt.

Parameterlisten nach ÖNORM A 2063 mit Kennwerten und ihren zulässigen Werten
Parameterlisten nach ÖNORM A 2063 — die Kennwerte, aus denen Positionen ihre Varianten ziehen.

Was BauNormal dabei abnimmt

  • Fertige Listen per Datei-Upload: aus einer Leistungsbeschreibung (.onlb) oder einem Gliederungssystem (.onbgs). Eine Bauproduktliste wird dabei zum Auswahl-Vokabular — 42 Parameter mit 240 Produktnamen aus einer Datei.
  • Typisierte Werte statt Prosa: Zahl mit Einheit und Nachkommastellen, Ja/Nein, Datum, Auswahlliste. Damit lässt sich filtern, summieren und vergleichen.
  • Die Werte hängen an der Position, die Liste an Ihrer Organisation — einmal gepflegt, in jeder Ausschreibung verfügbar.
  • Nichts geht beim Aktualisieren verloren. Ein erneuter Import behält die erfassten Werte, und eine Liste, auf die Werte zeigen, lässt sich gar nicht erst löschen.
  • Der Export nimmt nur die Listen mit, die dieses LV benutzt — kein Ballast im Datenträger.

Voraussetzungen

  • Eine Ausschreibung, an der Sie Angaben brauchen.
  • Nichts weiter. Parameterlisten sind Teil des ÖNORM-Kerns und kein zusätzlich buchbares Modul.

Was eine Parameterliste ist

Ein typisiertes Wörterbuch. Sie legt fest, *welche* Angaben es gibt und von welchem Typ sie sind — nicht, welchen Wert sie haben. Der Wert steht an der Position.

Die Norm sieht dafür eine Kette aus vier Gliedern vor, und wer sie einmal gelesen hat, versteht alle Bildschirme dazu:

GliedWas es istWo es gepflegt wird
Lückedie benannte Leerstelle im Langtextam Langtext der Position
ParameterTyp, Einheit, Auswahlliste, Grenzwertein der Parameterliste
Kennwertder Wert an dieser Positionim Block „Kennwerte" der Position
Formelvariablederselbe Wert in einer Berechnungim Rechenansatz

Eine Parameterliste enthält Parametersets (thematische Gruppen — „Maße", „Brandschutz", „Oberfläche"), und darin stehen die einzelnen Parameter. Fünf Kategorien gibt es: Text einzeilig, Text mehrzeilig, Ja/Nein, Zahl und Datum. Beim Text darf eine Auswahlliste hinterlegt sein, bei der Zahl Einheit, Nachkommastellen, Grenzwerte und ob summiert werden soll.

Datum als Kategorie gibt es erst ab der Ausgabe 2021. Wer in Ausgabe 2015 ausgibt, bekommt dafür einen Befund statt einer stillen Umdeutung.

Wozu man das braucht — drei Fälle aus der Praxis

  • Fabrikat und Typ vergleichbar machen. Eine freie Bieterlücke sammelt Prosa. Ein Parameter mit Auswahlliste sammelt Bezeichnungen, die man nebeneinanderlegen kann.
  • Kennwerte auswerten. Türblattbreite, Leistung in kW, Feuerwiderstandsklasse — als Zahl mit Einheit erfasst, lassen sie sich filtern, summieren und in die Bestbieterermittlung übernehmen. Als Fließtext nicht.
  • BIM und Nachfolgesysteme bedienen. Austrian Standards liefert fertige Listen aus, etwa die ASI-Türliste für BIM und AVA. Deren Parameter tragen ihre IFC-Bezüge mit; wer sie verwendet, muss die Merkmale nicht selbst erfinden.

Woher die Listen kommen

Sie müssen in den seltensten Fällen selbst eine bauen. Drei Wege führen herein, und der Unterschied zwischen ihnen ist wichtig:

QuelleAktionBei gleicher Kennung
Leistungsbeschreibung (.onlb)„Aus ONLB/ONBGS übernehmen"ersetzt die Liste vollständig
Gliederungssystem (.onbgs)dieselbe Aktionersetzt die Liste vollständig
Fremdes Leistungsverzeichnis (.onlv)Nebeneffekt des LV-Importsbleibt unverändert, wird gemeldet

Der Unterschied ist Absicht. Ein Katalog-Import ist eine bewusste Handlung an Ihrer eigenen Datenhaltung — dort ist Ersetzen richtig, weil eine Liste als Ganzes versioniert ist. Ein fremdes LV ist es nicht: Seine Liste heißt vielleicht genauso wie Ihre und meint etwas anderes.

Eine Bauproduktliste im ONBGS wird als Auswahl-Vokabular übernommen: je Hauptprodukt ein Parameter mit den Bauprodukten zur Auswahl. Aus einer ASI-Datei entstehen so 42 Parameter mit 240 Auswahlwerten. Freie Eingabe bleibt dabei immer erlaubt — eine Produktliste ist nie vollständig, und eine Auswahl, die zu einer falschen Angabe zwingt, wäre schlimmer als gar keine.

Schritt für Schritt

  1. Liste bereitstellen. Unter Vorlagen → Parameterlisten entweder „Aus ONLB/ONBGS übernehmen" oder „Neue Liste" für eine eigene.
  2. Kennung vergeben (bei einer eigenen Liste). Sie ist das Referenzziel im Datenträger, kein Anzeigename. Gehört die Liste zu einer Leistungsbeschreibung, nehmen Sie deren Kennung mit Punkt statt Bindestrich — BMWA.HB, nicht BMWA-HB. Der Punkt ist das einzige Sonderzeichen, das in beiden Norm-Ausgaben zulässig ist.
  3. Parametersets und Parameter anlegen. Je Parameter: Kennung, Bezeichnung, Kategorie, bei Zahlen Einheit und Nachkommastellen, bei Text bei Bedarf die Auswahlwerte. Überschriften gliedern lange Sets, tragen aber keinen Wert.
  4. An der Position Werte setzen. Im Bearbeitungsmodus der Ausschreibung gibt es je Position den Block Kennwerte: Auswahlliste als Feld mit Vorschlägen, Zahl mit Einheit, Ja/Nein als Schalter, Datum als Datumsfeld.
  5. Lücke und Parameter verbinden, wo der Bieter die Angabe machen soll. Dann kommen Datentyp und Auswahlliste von dort und müssen nicht zweimal gepflegt werden.
  6. Exportieren. Der Datenträger nimmt nur die Listen mit, auf die Kennwerte oder Lücken dieser Ausschreibung zeigen — er soll keine fremden Wörterbücher mitschleppen.

Welche Liste gilt, wenn keine angegeben ist

Die der Leistungsbeschreibung. Das steht so in der Norm, und deshalb gibt es bewusst keine organisationsweite Standardliste: Sie wäre eine zweite Wahrheit neben der LB des LVs. Praktisch heißt das: Wenn Ihre Liste zur LB gehört und deren Kennung trägt, brauchen Sie an der Lücke gar nichts anzugeben.

Ändern und Löschen — was mit den Werten passiert

Das ist die Frage, die in der Praxis zuerst kommt, und die Antwort ist beruhigend:

  • Eine Liste, auf die Werte zeigen, lässt sich nicht löschen. Der Versuch wird abgewiesen und nennt die Zahlen — „12 Kennwerte in 3 Ausschreibungen, 4 im Preisstamm". Wer die Werte wirklich weghaben will, entfernt sie dort, wo sie stehen. Einen Erzwingen-Schalter gibt es nicht.
  • Ein erneuter Import derselben Liste behält die Werte. Die Identität eines Parameters ist seine Kennung, nicht seine interne Nummer: Bezeichnung, Einheit und Auswahlwerte werden aktualisiert, der Kennwert hängt weiter daran.
  • Ein in der neuen Fassung gestrichener Parameter bleibt stehen, solange Werte an ihm hängen — und wird gemeldet. Ein überzähliger Parameter ist ein Schönheitsfehler, ein gelöschter Kennwert ist Vertragsdatenverlust.
  • Die Spalte „Verwendet" in der Liste sagt vorher, wie viele Positionen betroffen wären. Ohne sie traut sich niemand, etwas aufzuräumen.

Nebenan im selben Bildschirm

Unter „Vorlagen" liegen zwei weitere Reiter, weil sie aus derselben Datei kommen oder demselben Zweck dienen:

  • Sonderpositionen — wiederverwendbare Sätze eigener Positionen, die in keinem Leistungsbuch stehen; der häufigste Fall sind Wertungspositionen für die Zuschlagskriterien. Speichern ersetzt den Satz als Ganzes; beim Einfügen in eine Ausschreibung werden bereits vorhandene Positionsnummern übersprungen und ausdrücklich gemeldet. Die Gliederung wird aus dem Positionscode abgeleitet, nicht abgefragt.
  • Gliederungssysteme — Baugliederung, Leistungsgliederung und Kostengruppierung, etwa nach ÖNORM B 1801-1. Sie kommen aus derselben ONBGS-Datei wie die Parameterlisten; ein Upload füllt beide. Was man damit macht, steht in Kostengliederung nach ÖNORM B 1801-1.

Häufige Fehler

  • Die Kennung nachträglich ändern. Sie ist das Referenzziel; danach zeigen die Kennwerte ins Leere. Lieber eine neue Liste anlegen.
  • Ziffern oder Bindestriche in der Listenkennung. In Ausgabe 2021 sind Ziffern erlaubt, in 2015 nicht; Bindestriche umgekehrt. Nur Großbuchstaben und Punkt liegen in beiden Mengen — alles andere gibt beim Export in die andere Ausgabe einen blockierenden Befund.
  • Jede Angabe zum Parameter machen. Ein Wörterbuch mit 200 Feldern je Tür füllt niemand aus. Über Funktionen und Zuordnungen lässt sich die Zahl der tatsächlich gefragten Felder deutlich senken — 30 statt 200 sind realistisch.
  • Werte an der Position mit Bieterlücken verwechseln. Der Kennwert ist Ihre Angabe. Was der Bieter beitragen soll, gehört in eine Bieterlücke — und die zeigt auf den Parameter, statt seinen Wert vorwegzunehmen.

Was danach sinnvoll ist

Die Lücken selbst: Bieterlücken richtig setzen. Und wenn die Angebote da sind, zeigt sich der Nutzen im Preisspiegel — Angebote vergleichen.

Diese Schritte gehen in BauNormal — 30 Tage kostenlos, ohne Zahlungsdaten, endet automatisch.

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Robert Beisteiner
Robert Beisteiner, BauNormal

Zuletzt geprüft am

Diese Anleitung wird mit der Anwendung gepflegt. Fehlt etwas oder stimmt ein Schritt nicht mehr mit dem überein, was Sie am Bildschirm sehen, schreiben Sie uns bitte an info@baunormal.at — wir antworten schnellstmöglich.

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