Für Auftraggeber

Bieterlücke: was sie ist und wie man sie richtig setzt

Wo eine Lücke im Langtext hingehört, welche vier Arten es gibt und warum eine schlecht gesetzte Lücke erst beim Vergleich weh tut.

Eine Bieterlücke ist die Stelle im Text, an der der Bieter antwortet — Fabrikat, Typ, Leistung. Richtig gesetzt, macht sie Angebote vergleichbar; falsch gesetzt, bekommen Sie fünf Antworten, die man nicht nebeneinanderlegen kann. Dieser Artikel sagt, wohin eine Lücke gehört und wohin nicht. BauNormal führt die Lücken als eigene, benannte Felder mit Datentyp und Einheit — nicht als Unterstriche im Fließtext, die jeder anders ausfüllt.

Kurz erklärt

Was ist eine Bieterlücke? Eine Bieterlücke ist die Stelle im Langtext einer Position, an der der Bieter selbst etwas angibt — etwa Fabrikat, Typ oder Leistung. Richtig gesetzt, macht sie die Angebote vergleichbar, weil alle Bieter an derselben Stelle auf dieselbe Frage antworten.

Welche Arten von Lücken gibt es? Vier: die Ausschreiberlücke, die Bieterlücke, die optionale Bieterlücke und den Rechenwert. In BauNormal ist jede Lücke ein eigenes, benanntes Feld mit Datentyp und Einheit — so lässt sich eine Zahl später auch als Zuschlagskriterium auswerten.

Was Sie danach haben

Ein Leistungsverzeichnis, in dem an den richtigen Stellen gefragt wird — und in dem die Antworten der Bieter später nebeneinander vergleichbar sind, statt in Beiblättern und Mails zu stehen.

Was BauNormal dabei abnimmt

  • Vier klare Lückenarten (Ausschreiber-, Bieter-, optionale Bieterlücke, Rechenwert). Was der Bieter beantworten muss, ist damit für beide Seiten eindeutig.
  • Kennung und Datentyp machen die Antwort auswertbar: eine Zahl lässt sich später als Zuschlagskriterium übernehmen, ein Freitext nicht.
  • Die Lücke lässt sich im Satz verschieben („Fabrikat ___ der Marke"), ohne dass ihre Kennung oder ein bereits erfasster Wert verlorengeht.
  • Der Preisspiegel stellt die Antworten nebeneinander — dafür wurde die Lücke gesetzt.
  • Im Datenträger reisen die Lücken mit, sodass die Software des Bieters sie als Felder anzeigt statt als Text.

Voraussetzungen

  • Eine Ausschreibung im Entwurf. Nach der Freigabe ist das Leistungsverzeichnis gesperrt; Änderungen brauchen dann eine neue Revision.
  • Ein Gefühl dafür, was Sie wirklich wissen wollen. Das ist der schwierigere Teil.

Wofür eine Lücke da ist

Eine Bieterlücke ist eine Frage im Langtext. Sie gehört dorthin, wo der Bieter etwas weiß, das Sie nicht wissen können: welches Fabrikat er einsetzt, welchen Typ, welchen Kennwert das angebotene Produkt erreicht.

Sie gehört nicht dorthin, wo Sie sich noch nicht entschieden haben. Das ist der häufigste Grund, warum Lücken später Ärger machen. Wenn in der Ausschreibung steht „Dämmstärke [ … ] mm", weil in der Planung noch offen war, ob 12 oder 16 Zentimeter kommen, dann bekommen Sie fünf Angebote mit fünf verschiedenen Dämmstärken. Die sind nicht mehr vergleichbar, und rechtlich haben Sie sich das selbst eingebrockt: Jeder Bieter hat genau das angeboten, wonach Sie gefragt haben.

Die vier Arten

Die ÖNORM A 2063 kennt vier Lückenarten, und die Anwendung führt sie mit denselben Kürzeln:

KürzelBedeutungWer füllt
alAusschreiberlückeSie selbst, vor der Freigabe
blechte Bieterlückeder Bieter, verpflichtend
blounechte Bieterlückeder Bieter, freiwillig
rwRechenwertträgt einen Wert für Berechnungen, etwa ein Zuschlagskriterium

In der Praxis brauchen Sie vor allem bl und al. Eine blo ist dann sinnvoll, wenn eine Angabe interessant, aber nicht entscheidend ist — etwa eine optionale Herstellergarantie. Machen Sie daraus keine Sammelstelle für alles, was Sie auch noch gern wüssten: Was freiwillig ist, wird von der Hälfte der Bieter leer gelassen, und dann haben Sie eine halb gefüllte Spalte im Vergleich.

Schritt für Schritt

  1. Ausschreibung öffnen, Reiter Positionen, Bearbeiten. Die Lücken hängen am Langtext einer Position, nicht an der Position als Ganzes.
  2. Zeile aufklappen. Unter dem Langtext stehen die deklarierten Lücken mit Kennung, Datentyp, Art und Einheit.
  3. Lücke anlegen und den Datentyp wählen. Text, Zahl, Datum, Auswahl. Eine Zahl ohne Einheit ist die häufigste Schlamperei: „Leistung [ … ]" beantwortet der eine in Watt, der andere in Kilowatt.
  4. Kennung vergeben. Sie ist der Name, unter dem die Antwort im Datenträger und im Vergleich erscheint. Sprechend halten: FABRIKAT, TYP, WLF.
  5. Prüfen, ob nichts offen bleibt. Über der Positionsliste zählt ein Banner die Positionen mit offenen Lücken, und der Punkt in der Gliederung links zeigt, in welcher Gruppe sie stecken. Ausschreiberlücken müssen Sie vor der Freigabe selbst füllen.

Lücke oder Kennwert?

Die beiden werden regelmäßig verwechselt, dabei ist die Unterscheidung einfach:

  • Kennwert ist Ihre Angabe. Betongüte C25/30, Feuerwiderstand EI2 30-C, Wandstärke 24 cm. Sie geben vor, der Bieter rechnet damit.
  • Bieterlücke ist Ihre Frage. Der Bieter antwortet.

Kurz: Kennwert = was Sie vorgeben, Lücke = was Sie wissen wollen. Beides reist im ÖNORM-Datenträger mit, beides macht Angebote vergleichbar — aber in verschiedene Richtungen.

Wo es hakt

  • Zu viele Lücken. Zwanzig Pflichtfelder über ein Gewerk verteilt kosten jeden Bieter eine Stunde. Bei kleinen Ausschreibungen ist das der Punkt, an dem Firmen absagen.
  • Lücke ohne Einheit. Siehe oben. Nehmen Sie den Datentyp Zahl und schreiben Sie die Einheit dazu.
  • Lücke im geänderten Langtext. Sobald Sie den Text einer Katalogposition ändern, wird daraus eine Z-Position mit eigener Nummer, unabhängig vom Katalogstand. Das ist in Ordnung, solange Sie es wissen — überraschend ist es nur, wenn man später ein Katalog-Update sucht und keines findet.
  • Katalog-Update über eine eigene Lücke drüber. Wenn Sie „Neueste Version" übernehmen, wird der Langtext vollständig ersetzt, samt Ihrer eingefügten Lücken. Die Änderung steht danach in der Positionshistorie, aber die Lücke ist weg.

Was danach sinnvoll ist

Wenn die Fragen stehen, kommt die andere Seite der Vorbereitung: die Schätzpreise und der Kostenrahmen. Und wie ein Bieter die Lücken ausfüllt, steht in Bieterlücken füllen — es lohnt sich, das einmal von der anderen Seite zu lesen.

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Robert Beisteiner
Robert Beisteiner, BauNormal

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