Bauzeitenplan führen — Balkenplan, Puffer, Vertragstermine
Bauzeitenplan mit Vorgängen, Meilensteinen und Abhängigkeiten als Balkenplan (Gantt) — und warum ein Vertragstermin nach ÖNORM B 2110 anders zu behandeln ist als ein Wunschtermin.
Ein Bauzeitplan ist kein Balkenbild fürs Besprechungszimmer, sondern die Grundlage jeder Verzugsdiskussion. Entscheidend sind drei Dinge: welcher Vorgang keinen Puffer mehr hat, welcher Vertragstermin gefährdet ist und um wie viel ein abgeschlossener Vorgang später fertig wurde. Dieser Artikel zeigt, wie Sie den Plan führen — BauNormal rechnet Puffer und kritischen Pfad, verschiebt abhängige Vorgänge automatisch und kennzeichnet Vertragstermine nach ÖNORM B 2110 eigens.
Was Sie danach haben
Einen gepflegten Balkenplan samt Soll/Ist-Bilanz — und die Zeiträume, aus denen die Ressourcenplanung ihr Personal einplant. Im Streit über eine Bauzeitverlängerung ist er die Ausgangslage, die man sonst aus Erinnerungen rekonstruieren müsste.

Was BauNormal dabei abnimmt
- In Minuten zum ersten Plan: Standard-Bauablauf laden oder die Gewerke aus den Ausschreibungen übernehmen, dann anpassen.
- „Termine neu berechnen" verschiebt die Folgevorgänge und legt keinen Start auf ein Wochenende.
- Puffer und kritischer Pfad werden gerechnet, nicht geschätzt — und wo eine Zahl erfunden wäre (Ringschluss, fehlende Termine), steht ausdrücklich „—".
- Vertragstermine tragen ihre Rechtsfolge: eine Abweichung ist mit ⚑ markiert, weil sie anspruchsrelevant ist.
- Der Plan speist die Ressourcenplanung — im Kalender sehen Sie, wo Personal fehlt, und eine Verschiebung meldet sich von selbst.
Voraussetzungen
- Ein Projekt. Der Terminplan ist ein Reiter darin.
- Für Abhängigkeiten und die Spalte „Abweichung": der Expertenmodus.
Die vier Bausteine
- Vorgang — ein Arbeitsschritt mit Start, Ende, Dauer und Fortschritt („Rohbau").
- Meilenstein — ein Zeitpunkt ohne Dauer („Dachgleiche"), als Raute dargestellt.
- Gruppe (Sammelvorgang) — fasst Vorgänge zusammen; Start, Ende und Fortschritt rechnen sich aus dem, was darin liegt.
- Vertragstermin — ein verbindlich vereinbarter Termin nach ÖNORM B 2110. Er ist rot hervorgehoben, und eine Abweichung an ihm ist anspruchsrelevant. Deshalb trägt sie im Plan ein eigenes Zeichen (⚑) und wird nicht wie eine gewöhnliche Verspätung behandelt.
Schritt für Schritt
- Projekt öffnen, Reiter Terminplan.
- Schnell anfangen. Drei Wege: „Standard-Bauablauf laden" legt einen kompletten Ablauf (Baubeginn → Rohbau → Dach → Ausbau …) ab einem Starttag an, den Sie dann anpassen. „Gewerke aus Ausschreibungen übernehmen" erzeugt je Ausschreibung des Projekts einen Vorgang. Oder Sie legen von Hand an.
- Termine eintragen. Start, Ende, Status und Fortschritt lassen sich direkt in der Tabelle ändern; der Balken zieht sofort nach. Zeilen ordnen Sie am ≡-Griff um; in die Mitte einer Gruppe gezogen, werden sie ihr untergeordnet.
- Vertragstermine kennzeichnen, wo ein Termin tatsächlich vereinbart ist — nicht bei jedem Wunschdatum. Die Kennzeichnung ist der Unterschied zwischen einer Verspätung und einem Anspruch.
- Abhängigkeiten setzen (Expertenmodus): Vorgänger zuordnen, Art der Beziehung wählen (Ende–Start, Start–Start, Ende–Ende, Start–Ende) und bei Bedarf einen Versatz in Tagen. Die Beziehungen erscheinen als Pfeile.
- „Termine neu berechnen", wenn sich etwas verschiebt: Alle abhängigen Vorgänge wandern mit, und ein Start landet nie auf einem Wochenende, sondern auf dem nächsten Arbeitstag.
- Fortschritt pflegen. Ohne ihn ist jede Verzugsmeldung geraten — die Anwendung erkennt Verzug an „Ende überschritten und Fortschritt unter 100 %".
- Exportieren, wenn der Plan in die Baubesprechung soll: PDF (A4 quer, Balkenplan mit Zeitachse und darunter die Terminliste samt Puffer) oder CSV.
Puffer und kritischer Pfad
Der Puffer sagt, um wie viele Arbeitstage sich ein Vorgang verspäten darf, ohne das Projektende zu verschieben. Ein Wochenende zählt nicht mit — es ist kein Puffer, sondern ohnehin frei.
Ein Vorgang ohne Puffer ist kritisch: Jeder Tag Verzug verschiebt das Projektende. Diese Vorgänge bilden zusammen den kritischen Pfad und tragen im Balkenplan eine rote Schiene unter dem Balken. Die Balkenfarbe bleibt dabei der Status (geplant, laufend, fertig, Verzug) — zwei Aussagen nebeneinander, statt einer, die beides bedeuten müsste.
Steht „—" statt einer Zahl, ist das eine ehrliche Antwort: bei Gruppen (deren Balken ist nur die Hülle), bei Vorgängen ohne Termine und bei einem Ringschluss in den Abhängigkeiten. Drehen sich zwei Vorgänge im Kreis, meldet die Neuberechnung das mit Namen und ändert nichts — eine Reihenfolge gibt es dann nicht.
Soll gegen Ist
Der Reiter „Soll / Ist" zeigt Ist-Start, Ist-Ende, Abweichung und Vertragstermin — auch ohne Expertenmodus. Über der Liste steht die Bilanz: wie viele abgeschlossene Vorgänge später endeten als geplant und wie groß die größte Abweichung war.
Laufende Vorgänge zählen dort nicht mit. Sie haben noch keine Abweichung, sondern eine Prognose, und die beiden zu vermischen würde die Zahl wertlos machen.
„+3 Tage" steht orange, ab einer Woche rot, „im Plan" und „n Tage früher" grün. Bei einem Vertragstermin kommt ⚑ dazu: Diese Abweichung ist nach ÖNORM B 2110 anspruchsrelevant und gehört ins Bautagebuch, nicht nur in den Plan.
Was der Terminplan noch auslöst
- Ressourcenplanung: Die Zeiträume erscheinen als Band im Ressourcenkalender — dort sehen Sie, wo laut Bauzeitplan Personal gebraucht wird und noch keines eingeplant ist. Verschiebt sich der Plan eines Projekts, in dem schon Personal steht, meldet die Anwendung das mit einem Banner und per E-Mail.
- Bautagebuch: Die Spanne des Terminplans bestimmt, für welche Tage Vollständigkeit erwartet wird. Gibt es keinen Plan, gelten die Bauzeitfelder der Projektdaten.
- Abnahme: Ein Mangelpunkt kann an einem Meilenstein hängen.
Häufige Fehler
- Jeden Wunschtermin als Vertragstermin kennzeichnen. Dann ist die rote Farbe bedeutungslos, und im Ernstfall diskutiert man, was tatsächlich vereinbart war.
- Fortschritt nie pflegen. Ein Plan ohne Fortschritt meldet entweder alles oder nichts als Verzug.
- Abhängigkeiten setzen und nie neu rechnen. Die Pfeile allein verschieben nichts.
- Den Plan nach der Vergabe einfrieren. Er ist ein Arbeitsmittel: Wer ihn pflegt, hat bei der ersten Bauverzögerung eine belastbare Ausgangslage statt einer Erinnerung.
Was danach sinnvoll ist
Die Personalseite dazu steht in Ressourcen planen. Was am Tag tatsächlich passiert ist, gehört ins Bautagebuch — im Streit über eine Bauzeitverlängerung zählt beides zusammen.
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Zuletzt geprüft am
Diese Anleitung wird mit der Anwendung gepflegt. Fehlt etwas oder stimmt ein Schritt nicht mehr mit dem überein, was Sie am Bildschirm sehen, schreiben Sie uns bitte an info@baunormal.at — wir antworten schnellstmöglich.
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